Paraguay

Erfolgreiche Auswanderung - Millionen mit Soja und Saft

Die Geschichte einer erfolgreichen Auswanderung. Eine biologisch-technische Assistentin aus Münster wurde zur erfolgreichen Großagronomin in Paraguay

Es war ein Samstag, der ihr Leben in zwei Hälften teilte. Bis zu jenem 9. Mai 1998 erzog Beate Kress ihre Tochter, richtete ihr Haus ein und züchtete stattliche weiße Araberpferde. Nach jenem Tag wurde sie Königin, die Königin von Kressburgo.

In der Mitte Südamerikas, genauer gesagt im Süden Paraguays, leitet Beate Kress seit dem Unfalltod ihres Mannes Heinfried ein 100-Millionen-Dollar-Unternehmen. Die 57-Jährige besitzt heute 19 000 Hektar Land, ein Dorf, eine Schule, eine Tankstelle, einen Supermarkt und mit Frutika die größte Saftfabrik Paraguays.

Es ist die Geschichte einer sehr erfolgreichen Auswanderung. Sie beginnt im Februar 1977, als die biologisch-technische Assistentin Beate den diplomierten Landwirt Heinfried kennen lernt. Und der sie gleich beim ersten Tanz fragt, ob ihr Südamerika gefalle. Und der sie noch vor dem Nachhausegehen auffordert, mit ihm nach Südamerika zu ziehen. Es ist die Geschichte eines arbeitswütigen Pioniers, der die Flitterwochen nach vier Tagen beendet, um sein Land zu suchen. Der 1500 Hektar Urwald innerhalb eines Jahres in Sojafelder verwandelt, der gleichzeitig Zehntausende Hektar Land an 80 andere Deutsche vermarktet. Der ein Dorf baut, mit Kirche, Schule und Badeplatz. Der in Leipzig von der Treuhand eine ehemals volkseigene Saftfabrik kauft, diese demontiert und in Paraguay wieder zusammensetzt.

Erfolgreiche Auswanderung

Ausgewandert in die Welt der Möglichkeiten: Beate Kress vor ihrer Saftfabrik Frutika

Soziales Vorzeigeprojekt

Und es ist die Geschichte von Beate Kress, die einen Tag nach der Beerdigung ihres Mannes vier Großbanken am Telefon hatte, deren Manager alle ungläubig fragten: „Was, Sie wollen weitermachen?“ Fünf Jahre später war sie Paraguays „Unternehmerin des Jahres“. Sie hat den Betrieb konsolidiert, insgesamt 11 000 Hektar Ackerfläche dazu gekauft, auf der heute fünf Ernten in 24 Monaten eingefahren werden. Innerhalb von drei Jahren hatte sie die neun Millionen Dollar Schulden zurückgezahlt, die ihr Mann hinterlassen hatte. Mit der DDR-Saftfabrik wurde sie Marktführer in Paraguay und eine nationale Berühmtheit. Denn Frutika bezieht seine Früchte von Hunderten Kleinbauernfamilien, die dank garantierter Abnahmequoten ein sicheres Auskommen finden. Ein soziales Vorzeigeprojekt.

Flugzeug für die Tochter

Der Erfolg hat auch seinen Preis. Ein Jahr nach dem Tod ihres Mannes musste Kress auch ihre damals elfjährige Tochter hergeben, denn in der Abgeschiedenheit von Itapua gab es keine ordentliche Oberschule. Die Mutter kaufte ein Flugzeug, damit die Reise in die Hauptstadt Asunción nur noch eine Stunden dauerte statt sechs.

Um ihr mit Kunst und Antiquitäten angefülltes Urwald-Traumhaus spannt sich ein drei Meter hoher Stacheldraht-Zaun. Nachts lässt sie ihre acht scharfen Rottweiler aus dem Zwinger, und drei schwer bewaffnete Wachleute folgen jedem ihrer Schritte. Die Polizei hatte konkrete Hinweise auf ein Entführungskomplott.

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Quelle: FOCUS Online - Deutschland - am 08.06.2008

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