Reisebericht über die größten Wasserfälle der Welt an der Grenze zu Paraguay
Das noch größte Wasserkraftwerk der Welt, Itaipu, war unser erster Programmpunkt. Dieses technische Weltwunder ist ein Gemeinschaftsprojekt von Brasilien und Paraguay. Für den Bau der bis zu 196 Meter hohen Staumauer wurden Betonmassen verwendet, die man braucht, um eine Stadt für vier Millionen Einwohner zu errichten. Ein Film im Besucherzentrum informierte uns über Bau und Funktionsweise des Kraftwerks, danach befuhren wir mit dem Bus die Staumauer und staunten nicht schlecht über die Dimensionen.
Dann passierten wir die Grenze zu Argentinien, um die weltbekannten Iguacu-Wasserfälle zu besichtigen. Leider hatte es zwischenzeitlich begonnen zu regnen, sodass sich etliche Teilnehmer erst mit Regenschutzkleidung versorgen mussten. Als alle gewappnet waren und es Richtung Fluss ging, schloss der Himmel seine Schleusen wieder.
Nähert man sich den Fällen, so vernimmt man bereits aus der Ferne zunächst ein ständiges Grollen. Je näher der Besucher an die Katarakte kommt, desto feuchter wird die Luft und legt sich wie ein Schleier auf die üppige Natur. Steht man dann an den Fällen, verschlägt es einem die Sprache. Zischend, pfeifend und brüllend stürzen etwa 1750 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die 60 bis 80 Meter hohen Basaltklippen in die Tiefe, wo sie riesige Gischtfontänen mit spektakulären Regenbögen bilden. Auf einer hufeisenförmigen Front von über drei Kilometern Länge, auf der man über 275 Einzelfälle gezählt haben will, brechen die Wassermassen senkrecht oder über eine weitere Stufe nach unten. Diese ungebändigten Naturkräfte kann man von begehbaren Stegen aus, die bis an die Abbruchkante führen, gut beobachten. Unbeschreiblich war dieser Anblick am Garganta del Diablo (Teufelsschlund). Man hatte das Gefühl, mitten in den Wasserfällen zu stehen. Der Blick vom Steg direkt an der Kante wird wohl für alle unvergesslich bleiben.
Einige Mutige hatten sich entschlossen, an einer Macuco-Tour teilzunehmen, bei der man mit Booten, bestückt mit leistungsfähigen Außenbordmotoren, auf dem Fluss bis an die Wasserfälle heranfährt. Erst bei der Fahrt verstanden die Mitreisenden, warum der Reiseleiter an seinem muskulösen Körper nur noch eine Badehose trug. Es bereitete dem breit grinsenden Bootsführer eine geradezu diabolische Freude, das Boot nicht nur an, sondern direkt unter die Wasserfälle zu lenken, was vor allem von den weiblichen Mitfahrern mit lautem Geschrei quittiert wurde. Unsere jüngsten Teilnehmer, von uns die "Hummel-Buwe" genannt, waren trotz Regenschutzkleidung genauso nass wie alle anderen. Alles in allem eine Riesengaudi - darüber war man sich einig.
Die brasilianische Seite der Fälle durfte man am nächsten Tag in Augenschein nehmen. Doch zuerst besuchten wir den Vogelpark, wo viele aus dem Staunen nicht mehr heraus kamen, ob der Vielzahl der gefiederten Tiere, die man dort besichtigen konnte. So entstanden auch Fotografien von bleibender Schönheit, und etliche fühlten sich wohl wie Captain Hook, da sie sich mit einem bunten Papagei auf den Schultern ablichten ließen. Danach gingen zahlreiche Mitreisende in die Luft, nicht etwa aus Wut, sondern weil sie sich die Wasserfälle durch einen Hubschrauberflug aus der Vogelperspektive anschauen wollten. Ein unbeschreibliches Erlebnis!
Leider hatte Petrus an diesem Tag kein Einsehen und ließ die ganze Zeit die Regenschleusen geöffnet. Doch da es kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt, ließ sich die Truppe nicht die gute Laune nehmen und machte sich nach den Helikopterflügen auf den Weg an die Wasserfälle, der sich wirklich lohnen sollte. Begleitet von bettelnden Nasenbären boten sich von den Besucherstegen Ausblicke, die die meisten Mitreisenden auf Video oder Fotospeicher festhielten, um diese imposanten Eindrücke zu konservieren. Ein Besuch am Dreiländereck (Brasilien, Argentinien, Paraguay), an der Mündung des Iguacu in den Parana gelegen, beschloss das Tagesprogramm.
Nach einem wieder einmal hervorragenden Abendessen saß man noch lange im Hotel bei Caipirinha zusammen, um sich über die beiden Tage an den Wasserfällen auszutauschen.
Quelle: Lampertheimer Zeitung - Deutschland, am 04.01.2008