Großes Potential und problematische Gegenwart
Der Handelsstreit zwischen Brasilien und Argentinien, die schwierigen Gespräche mit der EU, der Konflikt um die Aufnahme Venezuelas in den Wirtschaftsverbund: drei wichtige Themen, die auf dem Mercosur-Gipfel wohl thematisiert werden. Der Mercado Común del Sur (Mercosur) steht zwar vor großen Problemen, glänzt aber gleichzeitig mit beeindruckenden Wirtschaftsdaten und bietet auch deutschen Unternehmen große Chancen.
Das regionale Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg allein 2010 um 7,8%, für 2011 wird ein Wirtschaftswachstum von 4,5 bis 5% erwartet. Der Binnenmarkt mit 252 Millionen Verbrauchern ist beachtlich, der Kfz-Markt ist der viertgrößte weltweit (4,2 Millionen verkaufte Fahrzeuge in 2010) und hat damit Deutschland überholt.
Das Potential des Wirtschaftsverbundes und das Interesse am Markt sind groß: "Viele europäische Unternehmen produzieren längst vor Ort. Vor allem in Brasilien stehen deutsche Mittelständler Schlange, um in den lukrativen Markt einzusteigen. Dutzende Wirtschaftsdelegationen geben sich die Klinke in die Hand. Argentiniens Industrie ist mit der brasilianischen immer stärker verzahnt. Paraguay und Uruguay bieten in Nischen ebenfalls attraktive Geschäftschancen, etwa Uruguay im Bereich der erneuerbaren Energien", so Carl Moses, Mitarbeiter von Germany Trade & Invest in Buenos Aires.
Der Bestand europäischer Investitionen beläuft sich auf rund 174 Mrd. Euro. Damit sind die Europäer die wichtigsten ausländischen Investoren im Mercosur - sie haben dort bis einschließlich 2009 so viel investiert wie in der VR China, Indien und Russland zusammen. Doch bei aller berechtigten Zuversicht ist der Mercosur bei weitem nicht dort, wo ihn Unternehmen und Verbände gerne sähen. Es gebe, so Vertreter der deutschen Auslandshandelskammern, keine kohärente Wirtschaftsstrategie, die Harmonisierung von technischen und gesundheitspolitischen Vorschriften komme nicht voran, die Institutionen der Wirtschaftsunion seien zu schwach.
Das ist wohl mit ein Grund dafür, dass sich Brasilien und Argentinien momentan wegen Zollbestimmungen und Genehmigungsverfahren streiten. Die Länder werfen sich gegenseitig vor, unter anderem durch Mindestpreise und andere Importschranken die eigene Industrie vor der Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen. Die Länder verhandeln zwar miteinander, der Konflikt bleibt aber bestehen.
Quelle: presseportal.de am 28.06.2011
